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4.2 Fremdfinanzierung als Unterstützung

Im Gegensatz zu Eigenkapital wird Fremdkapital nur befristet zur Verfügung gestellt. Eine Eigenschaft die die Kategorisierung von Finanzierungsformen durchaus erleichtert. So können der Kontokorrentkredit, der Lieferantenkredit und Kundenanzahlungen, mit einer Kreditlaufzeit bis zu einem Jahr, als kurzfristig erachtet werden. Während Darlehen, Unternehmensanleihen und Schuldscheindarlehen aufgrund ihrer Laufzeit von über einem Jahr bereits als mittelfristig und ab einer Laufzeit von über vier Jahren als langfristig angesehen werden können.

 

Kontokorrentkredit

Der Kontokorrentkredit stellt eine Form des Bankkredits dar  und bietet dem Kreditnehmer die Möglichkeit sein Konto zu überziehen. D.h. ihm wird eine gewisse Kreditlinie (ein vertraglich vereinbartes Limit) gewährt, die der Unternehmer in Abhängigkeit seines Bedarfs in Anspruch nehmen kann. In der Praxis eignet sich diese Form der Finanzierung insbesondere als Saison- oder Überbrückungskredit. Schließlich versuchen die Banken eine Einfrierung des Kredits zu verhindern und erwarten, dass sich innerhalb der Abrechungsperiode ein Kontostandswechsel einstellt. Das verfügbare Kapital sollte somit zur Finanzierung des Umlaufvermögens herangezogen und nicht für das Anlagevermögen eines Unternehmens eingesetzt werden.

 

Lieferantenkredit

Ein Kredit im Rahmen des gegenseitigen Liefer- und Leistungsverkehrs zwischen Unternehmen, welcher grundsätzlich auf zwei Ursachen zurück zu führen ist. Einerseits  kann es sich um einen Zahlungsaufschub handeln, den der Lieferant dem Kunden gewährt (freiwilliger LK). Andererseits kann der Kredit durch die verzögerte Zahlung eines Kunden erzwungen werden (unfreiwilliger LK). Folglich handelt es sich beim Lieferantenkredit um keinen Kredit in Form von Geldmitteln, sondern um eine Verlängerung des Zahlungszeitraums. Im Vergleich zum Bankkredit wird die zugrunde liegende Finanzierungsform i.d.R. formlos und ohne Sicherheiten gewährt.

 

Kundenanzahlungen

Der Kunde zahlt dem Verkäufer bereits vor Erhalt der Lieferung oder Leistung einen Geldbetrag. Mit anderen Worten handelt es sich um einen Vorauszahlungskredit durch den Kunden, welcher es dem Anbieter ermöglicht kurzfristig Fremdkapital zu generieren. Kundenanzahlungen stellen eine sehr günstige Finanzierungsalternative dar, da sie i.d.R. nicht verzinst werden. Üblich ist ein derartiges Vorgehen insbesondere in kapitalintensiven Industrien. Infolge der langen Produktionszeit und der hohen Kosten muss der Hersteller das Kapital bereits im Vorhinein beziehen. Die eigentliche Kundenanzahlung kann dann auf verschiedene Weisen von statten gehen. Von einer Überweisung von Anzahlungsraten bis hin zur Vorauszahlung des gesamten Kaufpreises ist alles möglich.

 

Darlehen

Ein Darlehen bezeichnet ein Rechtsgeschäft, bei welchem der Darlehensgeber einem Darlehnsnehmer Geld oder eine andere vertretbare Sache befristet zur Verfügung stellt. Im Gegenzug verpflichtet sich der Darlehensnehmer die empfangene Sache in gleicher Art, Güte und Menge, zu einem vereinbarten Zeitpunkt, zurück zu geben. Die Bedingungen eines Darlehens werden in einem sogenannten Darlehensvertrag niedergeschrieben. Wesentliche Bestandteile sind die Darlehnssumme, die Laufzeit sowie der bereits erwähnte Auszahlungs- und Rückzahlungszeitpunkt. Abschließend sind der Darlehenszins und die Art der Tilgung festzuhalten, wobei die Tilgung entweder auf Basis eines Tilgungsplans oder in einer Summe am Ende der Laufzeit vorgenommen wird. Meist wird das betriebliche Anlagevermögen (Gebäude, Einrichtung) durch Darlehen finanziert.

 

Unternehmensanleihen

Anleihen dieser Art bezeichnen verbriefte Inhaberschuldbescheinigungen, also öffentliche oder private Anleihen, in denen sich der Aussteller zur Zahlung einer bestimmten Geldsumme an den Gläubiger verpflichtet. Unternehmensanleihen werden dabei von der gewerblichen Wirtschaft emittiert bzw. herausgegeben und helfen dem privaten Unternehmen sich langfristiges Fremdkapital  auf dem organisierten anonymen Kapitalmarkt zu beschaffen. Zwar stellt diese Form der Finanzierung eine Alternative zum langfristigen Bankkredit dar und dient der Entlastung bestehender Kreditlinien, doch stellen sich i.d.R. hohe Kosten und Anforderungen ein, welche durch junge Unternehmen nur schwer zu tragen sind.

 

Schuldscheindarlehen

Das Schuldscheindarlehen stellt eine besondere Form des mittel- oder langfristigen Darlehens dar und bezeichnet die Vergabe eines Kredits durch Kapitalsammelstellen gegen Ausstellung eines Schuldscheins. Es handelt sich demnach nicht um ein börsengängiges Wertpapier, sondern vielmehr um einen langfristigen Großkredit, der von Banken oder Versicherungen (Kapitalsammelstellen) an Unternehmen gegeben wird. Bei diesem Vorgehen  muss der organisierte Kapitalmarkt, anders als bei der Unternehmensanleihe, nicht in Anspruch genommen werden. Vorteile ergeben sich insbesondere aus der Gestaltungsflexibilität und den geringen Transaktionskosten. Abschließend muss ein jedes Unternehmen für sich beurteilen, ob das Schuldscheindarlehen einem langfristigen Bankkredit vorzuziehen ist.

 

Quellenangaben:

boerse.ard.de (2011): Anleger Lexikon, Beitrag zur Unternehmensanleihe.

wirtschaftslexikon24.net (2011): Beiträge zu allen gelisteten Finanzierungsformen.

Volkmann, Christine K.; Tokarski, Kim Oliver (2006): Entrepreneurship, Aufl. 1, Stuttgart: Lucius & Lucius Verlag.

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